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Ich bin jetzt Hochzeitsfotograf! Ich habe eine Website mit Workshop Bildern!

 

Ja, eine harte Überschrift und ich bin bereit für Shitstorm der auf mich niederregnen wird, denn mit Stolz habe ich diese Worte hier geschrieben um mir Luft zu machen für eine der wichtigsten Entscheidungen die ein Paar am Hochzeitstag treffen kann:

dem Fotografen.

 

Ich gebe es zu, dieser Artikel entsteht gerade aus Bauchschmerzen heraus denn immer wieder begegnet mir (viel zu oft im Moment) ein/e „neue/r Hochzeitsfotograf/in“ auf Facebook wo mir beim ersten geposteten Bild auffällt- ach, Workshop Bilder einer/s Namenhaften Fotograf/in. Also schaue ich mir mal das Profil an und siehe da, noch mehr Workshop Bilder anderer einer/s Namenhaften Fotograf/in ohne dass diese auf der Website als „Workshop Bilder“ gekennzeichnet sind. Zum Glück weiß ich, dass mittlerweile viele der Namenhaften Fotografen darauf bestehen diese entstandenen Bilder im perfekten Boho Vintage Kleid mit dem riesigen Eukalyptus Strauß und dem bezaubernden Blumenkranz und dem verliebten Portfolie Paar auch als dieses kennzeichnen zu müssen. Denn auch sie Wissen um genau diese Problematik. Passiert nur leider in den seltensten Fällen. 

Und mal ganz ehrlich? Ist Weiterbildung nicht viel mehr ein großer Schritt hin zum Vertrauen zu Paaren? Eine eigene Kategorie auf der Website wo man Workshop Bilder darstellt, zeigt doch viel mehr Größe als diese Bilder dazu zu benutzen um es Paaren als Hochzeit zu verkaufen die man begleitet hat.  Es zeigt, dass es einem wichtig ist, Neues zu erlernen und den Horizont zu erweitern. Es sagt: „ja, ich muss noch viel Erfahrung sammeln aber ich bin auf dem richtigen Weg“. Schön gestellte Paare in der perfekten Heide, ausgestattet von tollen Designern mit gut inszenierten Posen. Alles gut, alles schön, kann man, und vor allem SOLLTE man als Neuling in der Hochzeitsfotografie machen.

Weiterbildung ist das A und O und unglaublich wichtig. Aber ganz im Ernst- damit als Anfänger sein Portfolio zu bewerben und diese Bilder direkt unter dem „Fragt mich für eine Buchung an“ Button zu setzen, finde ich äußerst verwerflich. Es macht mich traurig und wütend, denn Paare investieren im Schnitt 1-1,5 Jahre Zeit für die Gestaltung Ihrer Hochzeit. Jedes Blumengesteck ist liebevoll zusammengestellt und jeder Moment perfekt durchdacht. Dies ist die mindeste Zeit, die man ebenso investieren sollte um echte Erfahrungen in der Königsdisziplin zu sammeln. Zur Folge hat dies nämlich, dass ich im Jahr durchschnittlich 6 Anfragen (Tendenz steigend) von Paaren habe deren schönster Tag zum Alptraum wurde da keines Ihrer Bilder nur annähernd dem des Portfolios des „Hochzeitsfotografen“ entspricht. Ungelogen- ich sehe nämlich diese Bilder im Vergleich zum Portfolio. Auch habe ich Anfragen einen Tag vor Hochzeiten, weil der „Profi Fotograf“ nun doch kalte Füße bekommen hat. Verträge sind da auch eher die Ausnahme.

Wundert mich nicht. Denn an diesem Tag hat man nicht Stundenlang Zeit ein Paar zu fotografieren welches jede Pose verinnerlicht hat, stundenlang kuschelt und inne hält bis der „Fotograf“ endlich das perfekte Bild hat. Es ist eben nicht „da setzte ich meinen Filter drauf dann passt es schon“. Denn vielleicht wissen das die meisten nicht aber nicht jeder „Heide Filter“ passt auch in die Kirche! Wo sind die Bilder im Portfolio die zeigen das man in dunklen Locations Bilder machen kann ohne dass diese gelb und verwackelt sind? Wo sind die Bilder die zeigen, dass man bei Regen fotografieren kann oder in der Scheune die irgendwie überraschend gar keine Fenster hat? Wo die Bilder in der Mittagssonne weil zum Sonnenuntergang hin keine Zeit für das Paarshooting ist? Wo das schön inszenierte Gruppenbild was zeigt dass man 120 Leute locker mit Spaß und Freude aufs Foto bekommt? Wo die Einzelgruppen Bilder und Gratulationen bei der der Omi die Träne über die Wange läuft wofür man genau 1/100 Sekunde zeit hat? Und der Hochzeitstanz bei dem der DJ auf Wunsch des Paares alle Lichter ausgemacht hat- wie das wusste man vorher nicht? Wo die Bilder mit der Hochzeitstorte, die Feuerwerk für 30 Sekunden sprüht? Wo sind die Bilder die zeigen wie man im Hochzeitsaal mit Magenta ausgeleuchtetem Licht die Brautvater Rede perfekt umsetzt? Ich bin sauer und enttäuscht über Menschen die meinen, dass ein paar gestellte Workshop Bilder ausreichen um sich Hochzeitsfotograf zu nennen und die damit den perfekten Tag zweier Menschen gestalten wollen.

 

Und nein- ich lehne eben nicht Workshops ab, sondern hinterfrage die Menschen die damit Ihr Portfolio aufbauen und Paare täuschen. Denn es wird nicht reichen an einer echten Hochzeit. Die „Fotografen“ die sich nun angesprochen fühlen werden sagen- ja und wie soll man sonst ein Portfolio aufbauen? Berechtigte Frage die ganz einfach zu beantworten ist. Langsam und stetig. Geht mit Fotografen mit, an einer echten Hochzeit, wo es eben nicht darauf ankommt ob Ihr die Bilder verschießt. Investiert Euer Geld auch in Trainings die Euch lehren in schwierigen Lichtsituationen umzugehen. Sucht Euch einen Mentor der Euch beim Wachsen hilft, baut ein Netzwerk zu anderen Fotografen auf und tauscht Euch aus aber füllt doch bitte nicht Euer Portfolio mit unechten Hochzeiten und verkauft diese den Paaren als ob deren Hochzeit danach so aussehen würde. Findet Euren eigenen Stil, wachst mit den Dingen die passieren. Nehmt Euch Herausforderungen und vor Allem Kritik an. Jeder hat mal klein angefangen und das ist gut so. Denn wir wachsen mit unseren Fehlern. Der Rest ist schlichtweg Täuschung.

In meinen ersten Jahren als „ich kann eine Kamera halten (ich möchte es ungern als Fotograf bezeichnen und ich rede hier von: Jahren“)“ machte ich unzählige Hochzeiten für lau. Die Paare wussten worauf sie sich einließen und was passierte? Ich lernte die reale Hochzeitswelt kennen, konnte langsam und stetig wachsen und meine Erfahrungen sammeln. Ich besuchte Workshops ohne mein Portfolio damit zu bestücken, weil ich wusste, dass dies nicht die reale Welt eines Hochzeitstags war. Ich ging mit Profis mit um zu lernen, denn mir war der Inhalt immer wichtiger als Bilder die nichts mit mir zu tun haben. Ich wollte erlerntes selber umsetzen. Ich suchte mir Paare die ich kostenlos fotografieren konnte, so konnte ich üben und zwar in jeder Location die für mich notwendig war, und dies ist an Hochzeiten nun mal in den wenigsten Fällen die Heide. Meine Weiterempfehlung von bereits fotografierten Paaren stieg und ich bekam mit der Zeit ein Gefühl und die Sicherheit dem gerecht werden zu können und dieses Gefühl kam sehr langsam, weil ich mir der Verantwortung darüber bis heute absolut bewusst bin. Ich weiß welche Verantwortung auf mir liegt für zwei Menschen den Hochzeitstag zu dokumentieren. Es zu schaffen Emotionen beim Anblick meiner Bilder hervorzurufen. Es ist alles so viel mehr als zu Wissen wo der Auslöser ist.

Und an alle Paare möchte ich einen Rat weitergeben: Portfolios sollten gefüllt sein mit Reportagen eines ganzen Tages, denn auch Ihr heiratet ja einen ganzen Tag und nicht nur 20 Minuten alleine als Paar im Wald. Portfolios von Fotografen sollten Innenräume zeigen, Hochzeitstänze, perfekte unperfekte Momente, Nachtaufnahmen, Bilder vom Auszug aus der Kirche oder freien Trauung, Emotionen, echtes Lachen und Umarmungen, Gäste und Momenten die Euch als Betrachter das Herz höher schlagen lassen. Habt Gespräche mit Eurem Hochzeitsfotografen, lasst Euch aufklären und beraten und Ihr werdet sehr schnell Unterschiede feststellen können. Lasst Euch Bücher und Portfolios zeigen von ganzen Hochzeiten falls eine Website dies nicht bereits tut. Schaut Euch Google Bewertungen und Rezensionen an um ein Gefühl dafür zu bekommen wie der Mensch hinter der Kamera arbeitet. Seid Euch einfach darüber bewusste dass Ihr am Ende entscheidet wie Eure Erinnerungen festgehalten werden können. Einen Anfänger die Möglichkeit zu geben finde ich unglaublich toll, aber Ihr solltet es vorher einfach Wissen dürfen und MÜSSEN. Ihr könnt Anfängern auch bei einem After Wedding Shooting unterstützen wo es halt nicht darauf ankommt die Träne vom Brautvater, beim Einzug in die dunkle Kirche, festzuhalten.

Denn dieser Moment wird so nie wieder stattfinden.

 

Danke für Eure Zeit

 

Jenny

 

 

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