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Kater ohne Kater – oder, der Sonntag eines Hochzeitsfotografen.

Gestern Nacht bin ich um halb zwei nach Hause gefahren. Um 22:00 Uhr hatte ich Feierabend um halb 4 war das Seitenschläferkissen mein bester Freund. Bis hierhin alles normal. Und jetzt steht die Frage im Raum ob man als Hochzeitsfotografin wirklich noch 3,5 Stunden nach Arbeitsende mitfeiern sollte? Keine Ahnung, denn das habe ich noch nie getan. 🙂 Die Zeit auf Hochzeiten schlägt einen anderen Rhythmus, und selten, wirklich sehr selten, ich glaube mich erinnern zu können 2 x in meiner Karriere als Schleppenträger saß ich pünktlich nach Vertragsende im Auto.

Mein Lieblingssatz am Abend: „kannst Du eben noch schnell ein Foto machen“ muss ich irgendwann mal auf ein Fair Trade Shirt drucken lassen. Hinten drauf kommt dann: „Klar, denn ich liebe was ich tue“. Hört sich alles ironisch an, isses auch, aber nicht wirklich so gemeint. 🙂 Ja, ich Liebe was ich tue, mein Herz ist größer als jedes 80-400 mm und für meine Paare bin ich ebenso in den seltensten Fällen Dienstleister als viel mehr Seelenbeistand, Ruhepol, Ringträger, Schuhanzieher, aber vor allem Herzmensch. Keine Hochzeit und ich sage es nochmal: KEINE Hochzeit funktioniert nach Timeline! Sieht immer schön aus in der Papeterie – ist für mich aber meistens der witzige Teil an Einladungskarten. Eigentlich sollte darüber: „Versuchsprotokoll, Hoffnungsidee, Experimentierplanung, Glaubensparameter oder Wunschkonzert“ stehen. Vielleicht sollte ich auch ein Wettbüro mit in meine Verträge einbauen. Muss ich mal drüber nachdenken.

Fakt ist: ich liebe es und bin mir dessen vollkommen bewusst und damit aber die Einzige auf der Hochzeit. Also fange ich erst um halb 1 an meine Sachen zu packen und versuche die Schwimmreifen aus der Fotobox von den Jungs auf der Tanzfläche zu klauen. Klappt nicht, na gut, Schwimmreifen kommen dann als letztes in die Kiste. „Männer“!

Alles im Auto, fix und fertig von einem bereits 19 Stunden Tag mit 19,8 Kilo Zeug an mir will ich mich also verabschieden von diesem wundervollen Tag. Klappt auch-NICHT! Zack-Bier in der Hand und direkt die Mitternachtssnackcurrywurst oben drauf die mir die Braut bringt, weil ich kaum dazu gekommen bin etwas zu essen. Ich bin so dankbar für Menschen die sehen was wir als Hochzeitsfotografen leisten :). Danach kommt direkt von allen möglichen Seiten, dass ich noch bleiben muss und mitfeiern soll. Mh, ich bin mir nicht sicher ob ich den Pegel mit dem einen Bier jetzt aufholen kann und entscheide mich wie jedes Mal dagegen, weil ich nicht mehr weiß ob ich noch Rücken und Füße habe nach diesem Tag. Brautmamas verabschieden sich übrigens immer sehr fürsorglich mit den Worten „Gehst Du schon“?

Geschafft, im Auto!

Noch kurz beim Einsteigen das Bein geklemmt, weil die Koordination nach diesem Marathon auch nicht mehr so gut klappt. Egal. Kurz mit Waze eine Fahrtnavigation an Schatzi gesendet damit der weiß in welchem Graben ich liege falls mal was passiert und los geht’s.  Nach Hochzeiten kann ich mich immer nicht entscheiden ob die Musik extra laut sein soll oder aus. Was dazwischen kommt nie in Frage. Heute ist mal laut! Angekommen in der Einfahrt sitze ich dann meistens im Auto so rum, weil ich überlege einfach so zu schlafen oder ob ich den Weg der 1,5 Meter zur Haustür noch schaffe. Gleichzeitig überlege ich was ich alles im Auto lasse und mit welchem Risiko ich Heute mal eingehe nix mehr zu tragen und welche Kosten auf mich zukommen im Falle eines Autoeinbruchs.

Ok, für Ausladen entschieden! War jetzt nicht schwer nach der Rechnung!  Und da ist er der Moment. Während ich noch im Auto sitze öffnet sich die Haustür, Mann und Katze stehen nachts um 3 im Türrahmen und ich bin überglücklich. Katze trägt leider nicht so viel wie gehofft, Mann dafür umso mehr! Glück gehabt. Und in genau diesem Moment wird dieser Tag der mit Liebe begonnen hat, für mich mit meiner eigenen Liebe abgerundet. Perfekt Day. Ach so, ich sitze noch immer im Auto, denn meine Füße tun so weh. 🙂 Nützt ja nix und alle Bräute wissen ja wie das mit den Schuhen ist- hat man sie einmal aus, kommt man vor Schmerzen nie wieder rein. So geht’s mir gerade mit sitzen! Ich schaffe es dann aber doch, im Auto schlafen ist keine Option sagt der Mann. Na gut. Überredet. Nach 4 Stunden Schlaf und einer „Traumhochzeit“ (Doppeldeutigkeit erkannt?) wache ich also wieder auf und bin so aufgeregt wie am Tag davor endlich alle Bilder zu sichern. Zum Glück ist Sonntag und noch niemand wach der schimpfen kann, dass ich nicht ausschlafe. Mir tut alles weh! ALLES.

Gelschuheinlagen lügen einen übrigens auch immer nur was vor! Ich kann kaum noch laufen und mein Rücken ist irgendwie im Bett kleben geblieben. Kaffee wird es hoffentlich richten. Und so sitze ich jetzt hier. Kaffee, 10 Speicherkarten und einer dankbaren Katze, dass wenigstens einer schon Sonntag um halb 8 wach ist um zu arbeiten bzw. um Ihm seine Milch zu machen! Fühlen tue ich mich wie nach einer durchzechten Nacht nur ohne den Kater im Kopf, der sitzt zum Glück nur neben mir mit seinem Milchbart! Ich bin glücklich vom gestrigen Tag und erfüllt von unendlich viel Liebe, tolle Begegnungen, liebevollen Worten, zärtlichen Blicken von 2 Menschen die ich begleiten durfte um Ihre Lovestory mit meinen Augen festzuhalten. Das ist mein Seelenfrieden der mich jeden Sonntag immer wieder gerne total kaputt aus dem Bett treibt!

Danke an mich selber, einer der besten Entscheidungen in meinem Leben getroffen zu haben – Hochzeitsfotografin zu werden!

 

 

 

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